Frühjahrskonzert am 1. April 2017 mit Slide-Show

 

Für alle, die der Meinung sind, die Jugendkapelle sei doch viel älter: Ja, grundsätzlich ist das richtig - aber: Aus der im Jahr 1973 unter Hans Waldhauser gegründeten „Jugendkapelle“ wurde 1986 das „Blasorchester Grünwald“. Waren doch die Musikerinnen und Musiker dem Jugendalter mehr als entwachsen. Damit fehlte für Einsteiger jeglichen Alters, insbesondere für Kinder und Jugendliche, die Möglichkeit, sich in der Gruppe zu verbessern und das Zusammenspiel in einem Orchester zu erlernen. Im Jahr 1995 entschieden Vorstand und Beirat der Freunde Grünwalds unter dem Vorsitz von Dieter Rückborn, erneut eine Jugendblaskapelle zu gründen. Am 25.5.1996 fand unter der Leitung von Tanja Schelle die erste Probe mit 12 Interessenten statt. Wenig später präsentierten die jungen Leute beim Burgfest ihr erstes einstudiertes Stück, den „Tiger Rock“ von Brian Connery. Beim Frühjahrskonzert 1997 hatten sie dann ihr Konzertdebüt.

Zur Feier des 20jährigen Jubiläums zeigten sich die Mitglieder der Jugendblaskapelle in ihrer neuen, schicken und durchaus modischen Tracht: grau gemusterter Rock, rosa Spenzer und weiße Bluse - ein ganz entzückendes Erscheinungsbild! Ida Schelle aus der Jugendblaskapelle bedankte sich herzlich bei Tanja Schelle, die mit viel Liebe und Zeitaufwand das neue „Gwand“ ausgesucht und den Kauf organisiert hat. Josef Lindbüchl richtete seine Dankesworte an Matthias Schelle, der „als Dirigent die wichtigste Aufgabe in der Jugendblaskapelle“ erfüllt und mit Geduld und starken Nerven auch die anstrengendste Probe im Griff behält.

Besonders zu erwähnen ist die Bereitschaft der jungen Musiker, an den Leistungsprüfungen des Musikbundes von Ober- und Niederbayern teilzunehmen. Die Anforderungen sind durchaus beachtlich. Seit dem Jahr 2005 haben die Mitglieder der Jugendblaskapelle 68 Leistungsabzeichen errungen, 48 in Bronze und 20 in Silber. In diesem Jahr freute sich Vitus Lindbüchl (Waldhorn) über das silberne Leistungsabzeichen.

Gleich bei der „Jubilee Overture“ von Philip Sparke konnte die Jugendblaskapelle zeigen, was in ihr steckt. Nach einem feierlich melodischen Start ging es so richtig zur Sache: Tempowechsel, brilliante Läufe, komplexe Rhythmen mit vielen Synkopen. Und das nicht zu knapp. Da kann man nur sagen: Hut ab vor den Musikern und ihrem Dirigenten! 
Deutlich entspannter ging es bei den „Selections from The Phantom Of The Opera“ von Andrew Lloyd Webber zu. Wie Matthias Schelle in seiner Einleitung sagte: „Für Musicals kann man meine Damen und Herren immer haben“. Das merkte man deutlich an der Begeisterung und dem Schwung, mit dem dieser echte „Ohrwurm“ präsentiert wurde. 

Feierlich startete auch das Blasorchester Grünwald mit „Cortège solennel op. 91“ (feierlicher Einmarsch) von Alexander Glasunow, entstanden 1909 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der „Russischen Sinfoniekonzerte“ in St. Petersburg. Glasunow, der letzte Spätromantiker Russlands, war erfolgreicher Komponist und Professor für Instrumentation am Petersburger Konservatorium. In Wikipedia lässt sich folgender Satz finden: „Insgesamt besitzt Glasunows Musik eine äußerst positive Grundstimmung, sowie einen Hang zum Pathos und zur heroischen Geste.“ Besser lässt sich „Cortège solennel“ nicht charakterisieren.

In „Noah’s Ark“ von Bert Appermont wird die biblische Geschichte der Arche Noah in vier Abschnitten musikalisch zum Leben erweckt: Auf eine feierliche Verheißung hin (die laut Kummer nur heißen kann: „Leute, jetzt wird’s feucht“) folgt der Einmarsch der verschiedenen Tierpaare in den vom Patriarchen Noah erbauten „schwimmfähigen Kasten“. Von Posaunen dramatisch eingeleitet ziehen heftigste Stürme und Wassergüsse herauf, eine Bewährungsprobe für das Orchester, insbesondere für die Klarinetten. Erfreulicherweise ist das Unwetter nicht nach Jahren, sondern nach wenigen Minuten vorbei und alles endet – wunderbar lyrisch dargestellt - in einer gebetsartigen Hymne.

Mit der sehr anrührenden „Highland Cathedral“ von Michael Korb und Uli Roever entließ Michael Kummer die Zuhörer in die Pause. Das für Dudelsack komponierte Original entstand 1982 anlässlich so genannter Highland Games (traditionelle Veranstaltungen mit sportlichen Wettkämpfen). „Highland Cathedral“ wurde sehr populär und wurde häufig weiterverwendet, beispielsweise in der britischen Filmproduktion „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, als Ingame-Musik für das Aufbau- und Strategiespiel „Anno 1503“ und als Lied der Royal Hong Kong Police bis 1997. Gespielt wurde es auch am 30. Juni 1997, als Hongkongs letzter Gouverneur Chris Patten bei der Übergabe an die Volksrepublik China die britische Flagge vor seinem Amtssitz einholen ließ. Das Blasorchester bot eine beeindruckende Interpretation, musste aber mangels Masse leider auf den Einsatz von Dudelsäcken verzichten.  

„Die Judenbuche“ von Marco Pütz ist eine interessantes, musikalisches Gemälde auf Basis der bekannten Novelle von Annette von Droste-Hülshoff. Der Protagonist der Geschichte, Friedrich Mergel, erschlägt den Juden Aaron, als dieser die Zahlung einer Schuld einfordert. Fast 30 Jahre nach seiner Flucht aus dem heimatlichen Dorf kehrt er unerkannt zurück, erhängt sich aber dann an dem Baum unter dem er den Juden erschlagen hat. Marco Pütz benutzt in seiner klangvoll melancholischen Komposition eine sich immer wiederholende Tonfolge von 12 Tönen, teils gespielt, teils gesungen, um sich reflexiv mit dem moralischen Thema auseinander zu setzen. 
 
Der Höhepunkt des Abends war Johan de Meij’s liebenswürdige musikalische Umsetzung des bekannten englischen Kinderbuchklassikers „The Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame. Die vier Sätze beschreiben einen Maulwurf, der einen fröhlich dahinströmenden Fluss sieht, eine lebhafte Wasserratte und als Dritten im Bunde den eigensinnigen Kröterich, Mr. Toad, akustisch sehr treffend dargestellt durch quäkende Posaunen- und Oboenklänge. Toad schwärmt für schnelle Fahrzeuge, fährt sie aber immer wieder zu Bruch, wie man im dritten Satz auch deutlich hören kann. Im Schlusssatz feiern die Freunde mit einem rauschenden Fest die reuevolle Rückkehr des Kröterichs.

Ebenso rauschender Beifall dankte den Musikern und ihren Dirigenten für ihre hervorragenden Leistungen und den schönen Konzertabend. Mit dem englischen Zeremonialmarsch „Royal Salut“ von Philip Sparke und einem norwegischen Regimentsmarsch „mit Ohrwurmqualitäten“ als Zugabe verabschiedeten sich unsere beiden Orchester bis zum Wiedersehen (oder besser Wiederhören) beim Herbstkonzert am 18. November 2017.

 

 

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