Herbstkonzert 2016

Die Jugendblaskapelle der Freunde Grünwalds unter der Leitung von Matthias Schelle eröffnete das Konzert mit einem zur Einstimmung bestens geeigneten Stück, der Mid-West Golden Jubilee Overture des amerikanischen Komponisten und Musikpädagogen James Curnow.  Es folgten die Soundtrack Highlights aus dem amerikanischen Zeichentrickfilm  „The Road to Eldorado“ aus dem Jahr 2000. Der Film selbst war wohl ein ziemlicher Flop, aber die Musik ist wunderbar anzuhören. Kein Wunder, der Komponist ist kein geringerer als Elton John. Matthias Schelle sagte in seiner Einleitung „Das Wort Synkope können die da hinter mir nicht mehr hören“. Wobei hier vermutlich nicht der medizinische Terminus gemeint war („kurz andauernde Bewusstlosigkeit, die ohne besondere Behandlung spontan wieder aufhört“), sondern der musikalische („musikalisches Gestaltungsmittel, das das Betonungsschema eines Taktes aufbricht, indem es eigentlich unbetonte Schläge betont und somit rhythmische Spannung erzeugt“). Wir wollen doch nicht hoffen, dass die tatsächlich gehäuft auftretenden Rhythmuskomplikationen zu gelegentlicher Bewusstlosigkeit führten. Auf jeden Fall meisterte die Jugendblaskapelle die Herausforderung und das Ergebnis war ein ausgesprochen rhythmusbetonter und melodischer Hörgenuss. Kompliment!
 
Jaques Offenbach, dessen Ouvertüre zur Operette „Die beiden Savoyarden“ das Blasorchester Grünwald als erstes zu Gehör brachte, ist einer der Urväter der Operette überhaupt. Obwohl er seine Werke in Paris schrieb und auch dort präsentierte, war er der Begründer der Wiener Operette. Die Operette „Die beiden Savoyarden“ erschien ebenfalls zuerst in Paris unter dem Namen "Nummer 66"“. In dieser Version karikierte  Offenbach mit viel Witz und Satire die Zustände im österreichischen Kaiserreich. Als einige Jahre danach das Werk in Wien aufgeführt werden sollte, musste es umgearbeitet und die Handlung nach Frankreich verlegt werden. Aus den ursprünglichen Hauptpersonen (zwei Tirolern) wurden die zwei Savoyarden Suzon und Piccolo.

In den 20iger Jahren des letzten Jahrhunderts hatte die BBC eine eigene Abteilung für „Light Music“ (U-Musik) gegründet. Namhafte Komponisten schrieben gerne und mit großem Engagement für das eigens für diese Abteilung zusammengestellte große Orchester. Heute sind viele der damals entstandenen Werke unverdient vom Spielplan verschwunden. Die „London Suite” von Eric Coates, fertig gestellt 1933, ist eines dieser Stücke, das sich in der damaligen Zeit großer Beliebtheit erfreute. Besonders hervorzuheben die Perfektion, mit der das Blasorchester das rasante Tempo des 1. Satzes und die detailreiche Komplexität des letzten meisterte.
 
Die folgenden drei Kompositionen stammen aus der Feder von Ferrer Ferran, eines  zeitgenössischen spanischen Komponisten. Ferran, geboren 1966 in Valencia, gewann bereits im Alter von fünfzehn Jahren einen ersten Preis für Klavier und Schlagzeug, erwarb später  ein Diplom in Kammermusik und Liedbegleitung und profilierte sich mit Komposition und Orchesterleitung an der Royal Academy of Music in Großbritannien. Neben seiner Karriere als Komponist, Pianist und Orchesterleiter unterrichtet er auch an der Hochschule für Musik in Valencia. 2015 war Ferran Gastdozent beim Sommerkurs an der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf und begeisterte mit seinem südländischen Temperament und seiner ungeheuren Bühnenpräsenz. 

Der Pasodoble „ La Mia Banda e Differente“ (Meine Blaskapelle ist anders) zeigt, dass sich mit einer Brassband Dinge umsetzen lassen, die man sonst vielleicht nicht so hinbekommt. Mit seiner wechselnden Rhythmik erinnerte er an einen sehr vergnügten bayerischen Zwiefachen mit spanischem Einschlag. 

Absoluter Höhepunkt des Abends war die musikalische Interpretation des weltberühmten Kinderbuches „Die Abenteuer des Kleinen Prinzen“. In der phantastischen und hochkomplexen Musik lässt sich sicherlich nicht jedes einzelnen Feature des Buches im Detail erkennen, aber man wird – wie Kummer in seiner Einführung sagte – angeregt, die Phantasie schweifen zu lassen, die Diskrepanz zwischen einer feindlichen Umwelt und einer kindlich naiven, freundlichen Natur zu erspüren und Assoziationen zu den zauberhaften Geschichten des kleinen Prinzen zu finden. Die Komposition ist extrem schwer zu spielen und man kann dem Blasorchester und seinem Dirigenten nur höchste Anerkennung für diese hervorragende und beeindruckende Leistung aussprechen.
 
Bezüglich des letzten Stücks, des Konzert-Walzers "Flashes of the Dawn" (Destellos del Alba), versicherte Michael Kummer, dass alle Effekte, die auf der Bühne zu beobachten waren (u.a. Aufstehen und Hinsetzen, Schunkeln etc.) genau in dieser Form in der Partitur zu finden sind. Auf jeden Fall waren sie für das Publikum überraschend und durchaus vergnüglich.

Wie beim Herbstkonzert üblich, wurden auch diesmal die Leistungsabzeichen des Musikbunds Ober- und Niederbayern vergeben:
Marlene Kölbl (Querflöte) erhielt das bronzene und Markus Figl (Trompete) das siberne Leistungsabzeichen.
Außerdem wurden die langjährigen Mitglieder des Blasorchesters geehrt:
Zehn Jahre dabei sind Erich Mumme (Posaune), Regine Pattermann (Klarinette) und Steffi Reichhart (Klarinette). 20 Jahre sind Felix Hofmeir (Waldhorn) und 25 Jahre Barbara Holzapfel (Bassklarinette) aktiv. Das 35jährige Jubiläum können Monika Kreuzpaintner(Tuba) und Helmut Wagner (Schlagzeug) feiern.
Der Vorstand der Freunde Grünwalds bedankt sich herzlich für die langjährige Mitarbeit und die Treue zu unserem Blasorchester, ohne die die wirklich herausragenden Leistungen, wie sie auch in diesem Konzert wieder zu hören waren, nicht möglich wären. 

Für den anhaltenden Beispiel bedankten sich die beiden Orchester mit zwei Zugaben, dem  norwegischer Marsch Gamle Halden von Oskar Borg und einem volksliedähnlichen Stück von James Barnes, dessen Titel Matthias Schelle leider nicht verraten hat. 
 

Zurück